· 

Earth Overshoot Day

Ein Beitrag von Andrea Kusel

 

Am 29. Juli 2019 war der diesjährige Earth Overshoot Day. Das ist ein von der Organisation Global Footprint Network ins Leben gerufener Aktionstag, der den nicht nachhaltigen Ressourcenhunger der Menschheit veranschaulichen soll. Dazu wird für jedes Jahr das Datum berechnet, ab dem die Menschheit die natürlichen Ressourcen aufgebraucht hat, die innerhalb eines Jahres regeneriert werden können. Nach diesem Datum leben wir also gewissermaßen auf Pump von den Ressourcen des Folgejahres.

Laut dem Global Footprint Network haben wir Menschen erstmals Anfang der 1970er-Jahre mehr Ressourcen verbraucht als die Erde in demselben Jahr regenerieren konnte. Seitdem verschob sich der Erdüberlastungstag mit kleineren Schwankungen immer weiter nach vorne. Dass er nun nur noch wenige Wochen nach der Jahresmitte stattfand, wir also fast ein halbes Jahr von geborgten Ressourcen leben, ist alarmierend.

Es ist aber nicht Zweck des Earth Overshoot Days, uns in Schockstarre zu versetzen. Die größtenteils englischsprachige Website zum Aktionstag zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, wie man das Datum wieder nach hinten verschieben kann. Dass das keine einfache Aufgabe ist, wird klar, wenn man die Beispiele betrachtet: Um nur acht Tage später alle unsere Jahresressourcen verschwendet zu haben, müssten wir ganze 350 Millionen(!) Hektar Wald wieder aufforsten. Obwohl diese Aufgabe zu groß für einen einzelnen Menschen ist, wird doch auch deutlich, dass jeder von uns seinen Anteil am früheren oder späteren Tag der Erdüberlastung hat. Als Besucher von www.overshootday.org wird man aufgefordert, unter dem Hashtag #MoveTheDate über Aktionen zu berichten, die Ressourcen sparen. Auch das Anlegen eines kleinen Gemüsegartens wird dabei als Einsatz für den Naturschutz honoriert.

Der eigene Beitrag wird allerdings unter der URL www.footprintcalculator.org noch anschaulicher gemacht. Hier kann man seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck und damit auch den persönlichen Overshoot Day berechnen. Das Tool stellt dafür eine Reihe von Fragen zur Lebensweise. Einige davon kann man, wenn man will, noch in mehrere Detailfragen aufschlüsseln, um ein genaueres Ergebnis zu erhalten. So wirken die Macher erfolgreich dem Eindruck entgegen, die Einschätzung wäre zu stark verallgemeinert. Nachdem man den Fragebogen beantwortet hat, bekommt man neben dem Datum, ab dem man seine Ressourcen des Jahres aufgebraucht hat, auch die Anzahl Erden mitgeteilt, die wir bräuchten, wenn alle Menschen so lebten wie man selbst. Zum Vergleich übrigens: Der National Overshoot Day Deutschlands war 2019 schon am 3. Mai.

Zahlreiche Demonstrationen machten am diesjährigen Weltüberlastungstag auf die Problematik aufmerksam und forderten ein gesamtgesellschaftliches Handeln. Aber was können wir, die wir bereits Müll vermeiden größtenteils Bio-Produkte einkaufen, denn eigentlich noch tun, um das Datum nach hinten zu schieben? Hier ein paar Anregungen:

• zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen und den PKW öfter mal stehen lassen.

• Im Urlaub auf sparsamere Weise in die Ferne schweifen als mit dem Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff. Die Erholung liegt oft viel näher als man denkt.

• Für mehr Grün sorgen: Im eigenen Garten einen Baum pflanzen, Kräuter auf dem Balkon ziehen, sich in einem Gemeinschaftsgarten engagieren, an Aufforstungsaktionen teilnehmen.

• Strom aus erneuerbaren Energien beziehen.

• Weniger tierische Produkte konsumieren. Die gleiche Menge Pflanzen kann mehr Menschen direkt ernähren, als wenn Tiere die Pflanzen essen und dann von Menschen gegessen werden.

• Kreativ werden statt nur zu konsumieren. In früheren Zeiten saßen Familien abends beisammen und erzählten sich Geschichten, während sie Hand- und Handwerksarbeiten verrichteten. Das kostete etwas Brennstoff für die Lampe und das Material, das für die herzustellenden Gebrauchsgegenstände nötig war. So waren alle unterhalten und bekamen obendrein noch das gute Gefühl, etwas erschaffen zu haben. Heute sehen wir uns in unserer Freizeit gerne Filme an, treiben Sport auf Laufbändern und hören dabei Musik oder gehen shoppen. Vielleicht würde eine bewusstere Freizeitgestaltung uns jedoch sogar mehr Erfüllung bringen als Konsum?